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Der Schweizer-Franken-Stablecoin CHF-S ist live

Bild des Stablecoins CHF-S als Münze in einer Einkaufsstrasse
Bild: Me & KI

Das FinTech Safirum hat grosse Ambitionen und verfolgt mit seinem CHF-besicherten Stablecoin hochgesteckte Ziele.

Die Frage, wie viele Stablecoins die Schweiz braucht, und welche genau, haben wir letzten Sommer schon mal gestellt. Die Antwort kam damals vom FinTech Safirum, das den CHF-besicherten CHF-S in Arbeit hatte und davon überzeugt war, dass die Schweiz diesen einen unbedingt noch braucht.

Dieser angekündigte eine ist nun lanciert worden. Was den CHF-S aus der Sicht seiner Schöpfer besonders macht, hängt vor allem mit der Einhaltung sämtlicher regulatorischer Vorschriften zusammen.

Was der Stablecoin CHF-S macht und kann

Das Schweizer Fintech Safirum hat seinen Franken-Stablecoin CHF-S auf der Solana-Blockchain in Betrieb genommen. Damit steht eine neue digitale Form des Schweizer Frankens zur Verfügung, die schnelle und kostengünstige Transaktionen rund um die Uhr ermöglicht.

Der CHF-S wurde unter Berücksichtigung der strengen regulatorischen Anforderungen in der Schweiz entwickelt und richtet sich sowohl an Private als auch an Banken, Kryptobörsen und andere institutionelle Nutzer. 

Jeder im Umlauf befindliche CHF-S-Token ist im Verhältnis 1:1 durch gleichwertige Fiat-Bestände gedeckt. Die entsprechenden Mittel werden auf gesonderten Konten bei zwei Partnerbanken gehalten: der Berner Kantonalbank und der Banque Richelieu. Weitere Banken sollen demnächst als zusätzliche Depotbanken hinzukommen.

Die Ausgabe neuer Token erfolgt über institutionelle Investoren nach Durchführung der relevanten Identifikations- und Compliance-Prozesse sowie nach Eingang entsprechender Mittel. Private Nutzer erhalten dabei direkt über die eingebundenen Partner oder über dezentralisierte Handelsplattformen Zugang, nachdem sie ihr Wallet verifiziert haben. Die Abwicklung erfolgt dabei immer direkt auf der Blockchain.

Whitelisting direkt auf der Blockchain

Ein zentrales Merkmal von CHF-S ist die Integration regulatorischer Anforderungen in die technische Infrastruktur. Safirum hat den Stablecoin unter Berücksichtigung der geltenden Schweizer Vorgaben, insbesondere der FINMA-Aufsichtsmitteilung 06/2024, ausgestaltet. Entsprechend müssen sich sämtliche Nutzer vorgängig identifizieren. Privatpersonen durchlaufen eine KYC-Prüfung (Know Your Customer), Unternehmen eine entsprechende KYB-Prüfung (Know Your Business). Diese Identitätsprüfung kann digital erfolgen und dauert nur wenige Minuten.

Nach erfolgreicher Verifizierung wird das digitale Wallet für die Nutzung von CHF-S freigeschaltet (Whitelisting). Diese Funktion ist direkt in den entsprechenden Smart Contract auf der Solana-Blockchain integriert. CHF-S kann dadurch ausschliesslich zwischen freigegebenen Wallets übertragen werden. Transaktionen an nicht verifizierte Wallets werden automatisch blockiert.

Bastien Thiébaud, Mitgründer und CEO von Safirum, kommentiert: «Wir sehen die Identitätsprüfung und das Whitelisting nicht als Hindernis, sondern als wichtige Voraussetzung für den breiten Einsatz von Stablecoins. Sie schaffen Vertrauen und Transparenz und ermöglichen es, die Vorteile der Blockchain mit den Anforderungen des traditionellen Finanzsystems zu verbinden. Das ist entscheidend, wenn künftig auch Banken, Versicherungen und andere institutionelle Akteure Stablecoins im grossen Massstab einsetzen sollen.»

Schnelle Transaktionen und tiefe Gebühren

Der CHF-S basiert auf der Solana-Blockchain und deren Token-2022-Standard. Safirum hat sich für diese Infrastruktur entschieden, weil sie eine hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit, Skalierbarkeit und niedrige Transaktionskosten ermöglicht.

Zu den möglichen Anwendungsbereichen des CHF-S gehören grenzüberschreitende Zahlungen zwischen Unternehmen, Treasury-Management, die Abwicklung von Transaktionen an Kryptobörsen sowie Zahlungen im Zusammenhang mit tokenisierten Vermögenswerten. CHF-S ermöglicht es damit, die Stabilität des Schweizer Frankens auch in digitalen Finanz- und Zahlungssystemen zu nutzen.

Anders als Stablecoin-Anbieter, deren Geschäftsmodell vorwiegend auf Erträgen aus den hinterlegten Reserven basiert, setzt Safirum insbesondere auf Transaktionsgebühren. Für Übertragungen von CHF-S wird eine Gebühr von 0.05 Prozent des Transaktionsbetrags erhoben, maximal jedoch 0.50 CHF-S, zuzüglich der Netzwerkgebühren.

«Der Schweizer Franken gehört zu den stabilsten Währungen der Welt. Mit CHF-S machen wir ihn auch für Blockchain-basierte Anwendungen verfügbar. Wir sehen erhebliches Potenzial für einen digitalen Franken, der aus der Schweiz heraus emittiert wird, den hiesigen regulatorischen Anforderungen entspricht und sich in die internationale digitale Finanzinfrastruktur einbinden lässt», so Thiébaud.

Hat die Schweiz auf den CHF-S gewartet?

Vielleicht, diese Antwort wird der Markt geben. Allein auf weiter Flur stehen die CHF-S-Emittenten mit ihrem neuen Stablecoin allerdings nicht. Einige Franken-besicherte Stablecoins mit unterschiedlicher Ausrichtung sind bereits im Markt.

Zum Beispiel der relativ breit aufgestellte dezentrale Frankencoin (ZCHF), anwendbar im DeFi-Bereich und ebenfalls nutzbar als Zahlungsmittel im Detailhandel und für Kartenzahlungen. Dazu kommt der CHFAU von AllUnity, reguliert in der EU und seit wenigen Monaten im Markt, oder der VNX Swiss Franc (VCHF).

Ein interessantes Projekt haben aktuell sechs Banken (UBS, Postfinance, Sygnum, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank und BCV) zusammen mit SIX und Twint in Kooperation mit Swiss Stablecoin am Laufen. In einer geschützten digitalen Live-Umgebung – einer sogenannten Sandbox – werden ausgewählte Anwendungsfälle mit dem Stablecoin CHFD getestet, wir haben berichtet, hier und hier. Die Banken haben erkannt, welche bedeutende Rolle Stablecoins in Zukunft spielen werden und welche Veränderungen dadurch im Finanzbereich und im Zahlungsverkehr zu erwarten sind.

Durch die Kraft und Grösse des geplanten Ökosystems für digitales Geld könnte dieses Projekt schnell an Fahrt aufnehmen und die Luft für kleinere Mitbewerber möglicherweise etwas dünn werden lassen. Das bedeutet nicht, dass weitere Stablecoins keine Chancen hätten. Aber entweder braucht es eine Spezialisierung für bestimmte Bereiche oder dann eine eher schnell erreichbare Breite und eine solide Marktdurchdringung, um nicht in der Nische zu bleiben.

In der Vergangenheit waren nicht alle CHF-Stablecoins erfolgreich. Der CryptoFranc (XCHF) von Bitcoin Suisse hat das verflixte siebte Jahr nicht überlebt. Der Token ist aufgrund von mangelndem Nutzerinteresse und zu geringer Nachfrage 2024 wieder vom Markt genommen worden.