Jetzt kommen die Offline-Kartenzahlungen im Detailhandel

Ein Kartenterminal auf dem Tresen mit eingesteckter Kreditkarte
Bild: New Africa | Shutterstock

Kartenzahlungen sind komfortabel und funktionieren problemlos – solange keine Pannen und Störungen das Netz lahmlegen.

Wenn Netzwerkausfälle oder zentrale IT-Störungen Kartenzahlungen unmöglich machen, schafft das massive Probleme. Einerseits dem Handel, vor allem jedoch auch jenen Kundengruppen, die ohne Bargeld unterwegs sind und alle ihre Einkäufe mit Karte bezahlen. Finden die Zahl-Terminals über längere Zeit keine Verbindung mehr, schlägt das auf Umsatz und Laune, Debit- und Kreditkarten werden zu einem Stück Plastik ohne Funktion.

Störungen dieser Art als grossflächiger Super-GAU kommen in der Schweiz sehr selten vor – aber sie können vorkommen. Die Lösung: Offline-Kartenzahlungen.

Offline-Kartenzahlungen stärken die Versorgungssicherheit

Der elektronische Zahlungsverkehr ist eine zentrale Voraussetzung für die Versorgung der Bevölkerung mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen.

Damit diese auch bei einem Ausfall der Telekommunikations- oder Zahlungsinfrastruktur gewährleistet bleibt, hat das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) gemeinsam mit der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Banken, Zahlungsanbietern und dem Detailhandel eine schweizweite Lösung für Offline-Kartenzahlungen entwickelt.

So können Zahlungen mit Karten bei Störungen auch ohne bestehende Datenverbindung durchgeführt werden. Das bedeutet konkret: Elektronische Zahlungen können auch bei einer unterbrochenen Online-Verbindung abgewickelt werden. Die Autorisierung erfolgt direkt zwischen Karte und Zahlungsterminal (Chip & PIN), die finale Verarbeitung der Transaktion wird nach Wiederherstellung der Verbindung nachgeholt.

Offline-Kartenzahlungen sind ausschliesslich mit physischen Debit- oder Kreditkarten und einer PIN-Eingabe möglich, mobiles Bezahlen mit Smartpones wird nicht unterstützt. Bestehende Karten sind jedoch problemlos einsetzbar, zusätzlichen spezielle Zahlungskarten sind nicht erforderlich.

Damit Offline-Kartenzahlungen funktionieren, müssen lediglich die bestehenden Terminals neu konfiguriert werden. Zudem muss die Stromversorgung für das Lesegerät gewährleistet sein, über das Stromnetz, einen Akku oder einen Generator.

Breite Einführung der neuen Lösung bis Ende 2027

In einer gemeinsamen Absichtserklärung haben sich Banken, die Zahlungsverkehrsbranche und Detailhändler geeinigt, in der Schweiz freiwillig Offline-Kartenzahlungen zu ermöglichen. Die Umsetzung erfolgt schrittweise. Banken, Acquirer und Terminalhersteller bereiten derzeit die notwendigen technischen Anpassungen vor. Die breite Einführung ist bis Ende 2027 vorgesehen.

Die Branchenlösung ist ausschliesslich für Detailhändler gedacht, die lebenswichtige Güter wie Lebensmittel, Medikamente oder Treibstoff anbieten. Die erfolgte Zustimmung zur Absichtserklärung deckt nach Aussagen der Initiatoren bereits heute einen Grossteil des Lebensmittelhandels ab. Weitere Detailhändler können sich der Branchenlösung anschliessen.

Nordische Länder haben die Nase vorn

Offline-Kartenzahlungen werden in Schweden bereits eingesetzt. Weitere nordeuropäische Länder wie Finnland, Norwegen und Estland führen entsprechende Lösungen derzeit ein.

Die Schweiz ist nach Aussagen der Initiatoren das erste Land in Zentraleuropa mit einer breit abgestützten Lösung zur Versorgungssicherheit – ermöglicht durch die erhöhte Widerstandsfähigkeit des elektronischen Zahlungsverkehrs.