Digitale Transformation

Digitale Transformation bewältigen – durch Mindfulness

Angelika von der Assen
Angelika von der Assen, Senior Mindful Leadership Consultant

Um in der Arbeitswelt 4.0 nachhaltig erfolgreich zu sein, braucht es nicht nur digitale Skills sondern auch die Entwicklung eines agilen Mindsets.

Bis jetzt lag der Fokus häufig auf der Weiterentwicklung von "digital Skills", um Mitarbeitende für den Umgang mit den neuen Technologien in fast allen Aspekten unserer Arbeit fit zu machen. Es ist aber vor allem die Stärkung fundamentaler "analoger" Fähigkeiten, wie Kooperation, Kommunikation, Finden von Ruhe und Klarheit, die uns dabei hilft, Wohlbefinden und Gesundheit inmitten einer sich konstant wandelnden Geschäftswelt zu erhalten und einen agilen Mindset zu entwickeln.

Erfolgreich agil arbeiten: digital geht nur mit analog 

Das "Agile Manifest", welches das Fundament agiler Entwicklungsansätze beschreibt, beinhaltet vier Leitsätze, die klar machen, dass gerade erfolgreiches Arbeiten mit digitalen Frameworks auf ausgeprägten analogen Skills basieren: 

  • Individuen und Interaktionen stehen über Prozessen und Werkzeugen
  • Funktionierende Software steht über einer umfassenden Dokumentation
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden steht über der Vertragsverhandlung
  • Reagieren auf Veränderung steht über dem Befolgen eines Plans

Dies bedeutet, dass Digitalisierung ohne analoge Skills wie effektive Kommunikation, Kollaboration, Vertrauen, Bereitschaft zur Selbstreflexion und Offenheit für Veränderungen, sprich Loslassen von bisherigen Überzeugungen und Vorgehensweisen, nur schlecht funktioniert. 

Dies steht oft diametral zu dem, wie wir bisher zu arbeiten gewohnt sind, nämlich unter strikter Orientierung an Prozessen, Absicherung durch ausufernde Dokumentation, skeptisch bis ablehnend Neuem gegenüber, festhaltend an unserem Wissen und unserer Expertise, statt offen zu lernen.

So stellt sich diesbezüglich bei vielen Unternehmen eine grosse Ernüchterung (oder sagen wir: mehr Realismus?) ein. Immer noch ist eher das "fixed" Mindset als das agile Mindset dominant, unterminiert die Wirkung agiler Frameworks und sorgt für Friktionen an den Schnittstellen zwischen der agilen und der alten Welt im Unternehmen. Kommunikation von Veränderungen bewirkt immer noch eher Abwehrreaktionen und Widerstand als Offenheit und Umsetzungsdrive, auch wenn schon mit neuen Methoden oder selbstorganisiert gearbeitet wird und einige digitale Transformationen stattgefunden haben.

Führungskräfte sind sich unsicher, was ihre Führungsrolle in der neuen Welt denn nun bedeutet. Sie haben jetzt erst recht Mühe, sich über ihre fachliche Kompetenz hinaus das Followership ihrer Mitarbeitenden zu sichern und wissen nicht, wie sie unter den neuen Bedingungen erfolgreich führen können.

Was ist ein "agiles Mindset"?

Die sogenannten Scrum-Werte (Scrum ist ein agiles Vorgehensmodell des Projekt- und Produkt-Managements) sagen es deutlich: Es braucht Offenheit, Fokus, Respekt, Mut und Commitment als "innere Software" bei den Beteiligten. In einer Leserumfrage der Zeitschrift "Manager Seminare" vom Mai 2018 haben denn auch 71 Prozent der Befragten angegeben, dass in ihrem Unternehmen die notwendige Innovation und Veränderung von einer agilen Einstellung ihrer Mitarbeitenden und Führungskräfte abhängt. Gleichzeitig gaben diese Personen aber an, dass sie 81 Prozent ihrer Belegschaft als eher Agilitäts-avers oder sogar stark Agilitäts-avers erleben.

Vielleicht haben doch die 45 Prozent der Befragten in der oben genannten Studie Recht, die sagen, dass es ohne zusätzliche gezielte Massnahmen für die persönliche Entwicklung in Richtung Agilität, also ohne die Entwicklung eines agilen Mindsets, nicht geht. Aber wie?

Was bedeutet "Mindfulness" (Achtsamkeit)?

Der "Mindful Nation UK Report" entstand, als Entscheidungsträger in Grossbritannien wissenschaftliche Studien zur Wirkung von Achtsamkeitspraktiken mit dem Ziel untersuchten, Achtsamkeit im britischen Gesundheitswesen, Erziehung und Wirtschaft einzuführen. Dieser Report definiert Achtsamkeit so:

"Achtsamkeit bedeutet, aufmerksam zu sein auf das, was im gegenwärtigen Moment passiert, im Denken, im Körper und im externen Umfeld, in einer Haltung der Neugier und des Wohlwollens."

Einfacher gesagt: wir trainieren, zu jedem Zeitpunkt "voll da" zu sein, präsent, fokussiert, offen für Neues und für Veränderungen, im Kontakt mit uns selbst, unseren Gefühlen, Intuitionen und mit den anderen Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten – genau das, was ein agiles Mindset ausmacht.

Don’t only train your digital skills – train your mind!

In den letzten Jahren wurden weltanschaulich neutrale, neurowissenschaftlich basierte und arbeitsplatztaugliche Trainings entwickelt, um Mitarbeitenden Werkzeuge dazu an die Hand zu geben. Nicht von ungefähr wurde das erste und wohl bekannteste dieser Trainings bei Google im Silicon Valley bereits 2007 entwickelt und mit viel Erfolg geschult.

Heute steht es auch allen anderen Organisationen zur Verfügung, auch hier in der Schweiz. Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden entsprechende Kurse an oder begleiten Teams oder ganze Abteilungen, die vor diese neuen Herausforderungen gestellt sind, mit entsprechenden Angeboten, so zum Beispiel SAP, AXPO, IBM, Helsana und verschiedene Banken.

Veranstaltungshinweis

Das nächste Search Inside Yourself-Seminar mit Angelika von der Assen und Peter Bostelmann (Chief Mindfulness Officer bei SAP) findet am 31. Oktober und 1. November 2019 in Zürich statt.

Leserinnen und Leser von MoneyToday.ch erhalten mit dem Code "SIYMoney" CHF 100 Ermässigung bei der Buchung ihres Tickets. Weitere Informationen zum Programm und Tickets gibt's hier.