Der Erfolg von Twint hängt stark mit der zum Start gewählten Strategie zusammen, zuerst über die P2P-Funktion von Netzwerkeffekten zu profitieren, um den Nutzerstamm schnell aufzubauen und zu vergrössern. Geldtransfers von Person zu Person (P2P) sind beliebt und werden bevorzugt auch von jungen Kundengruppen genutzt.
Nicht von ungefähr haben auch zahlreiche in- und ausländische Neo-Banken und andere FinTechs P2P-Funktionen an Bord. Die Geldtransfers zwischen Privatpersonen funktionieren komfortabel, schnell und in der Regel kostenlos.
P2P-Zahlungen sollen auch Kartennutzern zur Verfügung stehen
Viseca und Cornèrcard wollen einen Schritt weitergehen als Twint und Sofortüberweisungen zwischen Privatpersonen nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit möglich machen – auf der Basis von Karten.
Dazu haben die beiden Unternehmen die PayInit AG gegründet mit dem Ziel, eine Infrastruktur für globale P2P-Geldtransfers auf Basis von Mastercard- und Visa-Zahlkarten aufzubauen. Die neue Industrielösung soll allen Schweizer Kartenherausgebern und Anbietern mobiler Zahlungslösungen zur Verfügung stehen.
Kundinnen und Kunden der angeschlossenen Anbieter von Zahlungslösungen hätten damit die Möglichkeit, Geld von Zahlkarten in der Schweiz weltweit auf andere Zahlkarten, Wallets oder Bankkonten zu senden. Wie bei P2P-Transfers üblich ohne IBAN oder sonstige Kompliziertheiten, die Mobilenummer oder die elektronische Adressen der jeweiligen Empfänger genügen. Damit das klappt, soll zusätzlich ein Empfängerverzeichnis (Alias Directory) aufgebaut werden.
Die neue Lösung bedient sich der globalen Kartennetzwerke von Mastercard und Visa sowie ihrer lokalen Partner, die weltweit etablierte Standards auf Sicherheit und Datenschutz erfüllen.
Alessandro Seralvo, CEO von Cornèrcard und Mitglied des Verwaltungsrats der PayInit, bringt die Vorteile aus seiner Sicht auf den Punkt: «Mit der PayInit AG setzen wir auf eine kartengestützte Lösung, die für Kundinnen und Kunden besonders einfach und flexibel nutzbar ist, weil sie auf bestehenden Zahlkarten aufbaut. Geld kann weltweit direkt gesendet werden – unabhängig davon, ob Empfängerinnen und Empfänger Karten, Wallets oder Bankkonten nutzen.»
Ein Joint Venture für die notwendige Infrastruktur
Viseca und Cornèrcard gehen mit ihrem Joint-Venture-Unternehmen PayInit in die Vorlage und laden sämtliche Schweizer Kartenherausgeber und Anbieter mobiler Zahlungslösungen ein, auf den Zug der neuen Industrielösung für weltweite P2P-Geldtransfers aufzuspringen.
Eine aktive Beteiligung an der PayInit AG ist möglich und auch erwünscht, jedoch keine Voraussetzung für die Nutzung der Infrastruktur. Die Services der Infrastruktur sollen über Dienstleistungsverträge genutzt werden können, die interessierte Kartenherausgeber und Anbieter mobiler Zahlungslösungen mit PayInit abschliessen.
Als Technologiepartner für die neue Industrielösung ist die auf digitale Dienstleistungen für den Finanzsektor spezialisierte Opentech mit im Boot. Die Plattform von Opentech ist offen und skalierbar konzipiert und soll einen klaren Fokus auf die Förderung der Interoperabilität zwischen Banken, Kartenherausgebern und den internationalen Karten- und Zahlungsnetzwerken legen.
Der Launch der angekündigten Industrielösung für globale P2P-Geldtransfers ist für Ende 2026 geplant. Viseca und Cornèrcard wollen zur gegebenen Zeit weitere Details bekanntgeben.
Kann eine P2P-Industrielösung in der Finanzbranche Erfolg haben?
Das Projekt ist interessant, zumal P2P-Zahlungen aus der Schweiz in die ganze Welt ermöglicht werden sollen.
Erfolg oder Misserfolg dürfte vor allem durch folgende Faktoren beeinflusst werden: Sind die jeweiligen Kundengruppen heute schon gut versorgt mit P2P-Lösungen oder besteht das Bedürfnis, neu auch Karten für Zahlungen zwischen Privatpersonen einzusetzen? Vor allem aber steht im Zentrum, wie viele und welche Banken, Kartenherausgeber und Anbieter mobiler Zahlungslösungen bereit sind, bei der neuen P2P-Industrielösung anzudocken, um ihren Kunden globale P2P-Geldtransfers möglich zu machen.