Krypowelt

Mit Kraken wird die erste Kryptobörse zur Bank

Die Kryptobörse Kraken ist direkt an eine traditionelle Bank angebaut
Wenn eine Kryptobörse ein Bankhaus schluckt... | Bild: Me & KI

War es für Kryptobörsen früher schwierig, bei einer Bank überhaupt ein Bankkonto zu bekommen, soll's heute nicht nur ein Konto sein, Kraken kauft gleich die ganze Bank.

Kraken ist eine der ältesten und grössten Kryptobörsen weltweit. 2011 in San Francisco gegründet, gehört Kraken heute zu den Top Ten der Kryptobörsen. Bewertet nach Sicherheit, Liquidität und Transparenz belegt das Unternehmen regelmässig sogar Plätze zwischen 1 und 3. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Kryptobörse sich straff an Regulierungen in ihren verschiedenen Märkten orientiert.

Kraken verfügt heute weltweit über 145 regulatorischen Zulassungen und mehr als 100 aktive Lizenzen in über 30 Ländern. In Europa hält das Unternehmen unter anderem die MiCA-Lizenz und eine E-Geld-Lizenz – das öffnet den Zugang zu sämtlichen Ländern im EU-Markt.

Zudem hat die Kryptobörse 2025 den Sprung über Kryptos hinaus gemacht, neben 600 Krypto-Paaren gehören auch 11'000 Aktien und ETFs zum Angebot.

Wer ist die Bank, die aus einer Kryptobörse ein Bankhaus machen soll?

Ein kleines, digitale ausgerichtets Spezialinstitut in Litauen namens Saldo Bank steht auf der Einkaufsliste von Kraken – oder besser auf dem Wunschzettel. Als Käuferin tritt Payward auf, das ist die US-Muttergesellschaft von Kraken.

Die Saldo Bank ist 2006 in Finnland gegründet worden und verfügt seit 2021 über eine von der Europäischen Zentralbank erteilte und durch die Bank von Litauen reguliert Banklizenz. Das Unternehmen ist spezialisiert auf vollautomatisierte Kredite für Private und für KMU sowie auf digitale Einlagenprodukte. In Vilnius und Helsinki beschäftigt die Saldo Bank rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bilanzsumme (164 Millionen Euro) und Gewinne (962'000 Euro) bleiben überschaubar.

Zu den aktiven Märkten der Saldo Bank gehören Litauen, Finnland, Schweden und Deutschland, eine Betriebserlaubnis für die Niederlande liegt vor. Durch das EU-Passporting bleiben die Märkte erweiterbar.

Warum kauft Kraken eine europäische Bank?

Umsätze und Gewinnaussichten stehen nicht im Vordergrund, Kraken kauft im Kern die Banklizenz der Saldo Bank. Das Mutterhaus Payward bringt diese Absicht mit folgendem Statement auf den Punkt: "Wir erwerben keine Bank, um eine Bank zu sein. Wir erwerben die Infrastruktur, damit Payward europäische Kunden so bedienen kann, wie es ein primäres Finanzinstitut tun sollte: ein Ort, an dem Vermögenswerte gehalten, frei bewegt und arbeiten können".

Die Pläne gehen dabei über Europa hinaus, Arjun Sethi, Co-CEO von Payward, sagt: «Wir starten in der EU, und der Ehrgeiz ist global».

Diese akquirierte Lizenz ist keine Vollbanklizenz, sondern eine Spezialbanklizenz. Das Konzept der Spezialbanklizenz ist eine rechtliche Sonderform, die vor allem in Litauen und Lettland eine Rolle spielt. Über das EU-Passporting kann die Lizenz per Notifikationsverfahren auf weitere gewünschte Märkte in der EU und im EWR-Raum übertragen werden.

Mit dieser Speziallizenz kann Kraken praktisch alle traditionellen Bankdienstleistungen anbieten, inklusive Einlagensicherung bis zu 100'000 Euro. Einschränkungen gibt's nur im Investment- und im Wertpapier-Bereich. Für Kraken sind das jedoch keine Hürden, diese Services werden bereits heute unter dem Dach der Kryptobörse angeboten. Mit anderen Worten: die Banklizenz der Saldo Bank bringt Kraken alles, was heute noch fehlt.

Neu kann die Kryptobörse die eigenen Services stark erweitern. Möglich werden Einlagengeschäft inklusive Verzinsung, Kreditvergabe an Private und KMU, Zahlungsverkehr und Karten sowie Banking as a Service (BaaS) für FinTechs. Genau diese Leistungen und Services stehen auf der europäischen Roadmap von Kraken. Einfach ausgedrückt will Kraken Krypto- und Wertpapierhandel sowie Bankgeschäfte, Einlagen, Zahlungen und Kreditvergabe anbieten und unter einem Dach bündeln.

Dadurch öffnet Kraken sich selbst und Millionen von Kundinnen und Kunden neue Türen, um von der Kryptobörse zur Hauptbank zu werden. Das Beispiel ist interessant, weil es eine Gegenbewegung anreisst: Banken erweitern bisher schon ihre Leistungen und machen Kryptogeschäfte möglich. Kryptobörsen erweitern neu nun auch ihr Leistungsspektrum und machen klassische Bankgeschäfte möglich. Mit der Intention, nicht nur Krypto-Broker zu bleiben, sondern Hauptbank zu werden.

Payward hat eine endgültige Vereinbarung zur Übernahme des finnischen Eigentümers Saldo Finance unterzeichnet. Der Abschluss der Transaktion soll nach der Genehmigung der Behörden 2027 über die Bühne gehen.