Mobility

VBZ testet selbstfahrenden Kleinbus

VBZ testet selbstfahrenden Shuttle (Youtube)
VBZ testet selbstfahrenden Shuttle (Youtube)

Starten die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) mit "Self-e" einen Testversuch für automatisiertes Fahren, zeigt das auch: die Entwicklung läuft schneller, als man denken könnte. Das wirft Fragen auf. Wie stellen vorderhand nur eine, die wichtigste.

Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) werfen einen Blick in die Mobilität der Zukunft und belassen es nicht beim Blicken. Zwischen 9. und 23. Februar 2018 läuft der Testbetrieb mit "Self-e", einem selbstfahrenden Shuttle.

Während der Testphase kurvt der selbstfahrende Kleinbus mit elektrischem Antrieb über eine Rundstrecke von 1,3 Kilometer Länge und fährt dabei fünf Haltestellen an. Der Test wird auf dem VBZ-Areal in Altstetten durchgeführt, ist noch nicht öffentlich, die Mitarbeiter der VBZ können den Shuttle jedoch während der Betriebszeiten auf dem Areal nutzen, um die Technik kennenzulernen.

Mit an Bord fährt geschultes Begleitpersonal, das jederzeit eingreifen kann, falls das System eine Situation nicht alleine bewältigen kann. "Self-e" soll jedoch weitgehend autonom agieren, sich auf dem Areal und auf der Strecke zurechtfinden sowie Gefahren erkennen und Kollisionen vermeiden. Der Kleinbus verkehrt deshalb weder in einer "geschützten Werkstatt" noch einsam im Testlabor – auf dem Areal herrscht normaler Werkverkehr und damit soll "Self-e" zurechtkommen.

Die Stadt Zürich verfolgt das Ziel, sich als Smart City zu positionieren und ein führender Hub für Innovationen zu werden. Der Moblitätstest mit "Self-e" ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Deshalb wird der Testbetrieb auch von Workshops begleitet, in denen sich Mitarbeiter der VBZ mit der Frage auseinandersetzen, welche Auswirkungen die neue Technologie auf die Mobilität der Zukunft haben könnte und wie sich das Unternehmen diesen Herausforderungen stellen kann.

"Nur" ein weiterer Stein in einem Riesen-Puzzle

Der Testbetrieb mit dem selbstfahrenden Shuttle in Zürich ist "nur" ein Puzzlestein innerhalb einer gewaltigen Entwicklungsbewegung, welche grosse Fortschritte macht und die Technologie bereits auf ein hohes Level gebracht hat. Tesla, Mercedes und zahlreiche andere Autohersteller sind mit im Boot, praktisch alle Tech-Giganten forschen, entwickeln und optimieren, Uber plant mit den selbstfahrenden Autos bereits die Zeit nach dem Taxi- und Limousinen-Service – und auch die Kämpfe um die Vorherrschaft an der mobilen und autonomen Front haben seit längerem begonnen. Diese weltweit enorme Entwicklungskraft treibt die Technologie voran – und das sehr schnell. Schneller, als man denken könnte.

Deshalb wird die Welt nicht Jahrzehnte warten müssen, bis die Mobilität der Zukunft Gegenwart ist. Ein grosses Stück weit ist sie es schon heute. Dem Schreiber soll's recht rein. Übers Handy ein Cab in gewünschter Grösse anfordern, vor der Haustüre abgeholt werden, unterwegs noch die bestellten Einkäufe abholen (mein Cab und seine integrierte Intelligenz wissen was und wo) und entspannt am Ziel ankommen – das macht schon Laune. Dass ich nutzungsabhängig nur das bezahle, was ich brauche, stimmt mich ebenfalls fröhlich. Rechnung gibt's keine, mein Cab bucht gleich ab, was ich ihm schulde. Oder fahre ich mit Flatrate?

Eine Frage hätten wir noch

Was wir uns jetzt noch fragen: Was geschieht mit all den Taxifahrern, den Zulieferern für die Autoindustrie und mit all den peripheren Branchen und ihren Mitarbeitern, welche vom Auto und vom Individualverkehr leben? Dann, wenn nur noch Cabs in unterschiedlichen Grössen rumkurven, die intelligent das tun, was wir von ihnen erwarten?

Das wäre dann die politische, gesellschaftliche und auch wirtschaftliche Seite der Entwicklung und eine Aufgabe, welche gut geplant und sehr gut gelöst werden muss. Das braucht Zeit, Kreativität und tragfähige Konzepte. Auch hier scheint die Technologie sehr viel schneller zu sein, als politische Kräfte und Parlamente Notwendigkeiten erkennen würden, diese Themen zu traktandieren.

Schon klar, im Moment dreht ja erst ein einziges kleines Büssli auf dem VBZ-Areal in Zürich seine Runden, kein Grund zur Eile. Oder doch? Ist eine Technologie, welche, neben anderen, die Welt sehr stark verändern wird, bereits vor dem Haus im (Test-) Einsatz, müssten in Parlamenten und Kommissionen eigentlich alle Glocken läuten.

Schaut man sich immer wieder mal Testberichte aus dem Silicon Valley und anderen Tälern an, ist zu erkennen, wie weit die Technologie fortgeschritten ist und wie viel oder eben wie wenig bis zur Marktreife fehlt. Übersetzt in Zeiträume wird die Zeit möglicherweise knapp, um strukturelle und gesellschaftliche Fragen zu diskutieren, um Konzepte und Lösungen zu entwickeln. Um Probleme abzufedern, welche auf uns zukommen werden. Die Technologie ist grossartig. Die Potenziale und Möglichkeiten sind es auch. Ebenso gross sind jedoch die Herausforderungen, welche die Mobilitäts-Revolution mit sich bringt. Und die Mobilität ist nicht der einzige Bereich, der mit umwälzenden Veränderungen verbunden ist. Wichtig ist, dass Politik, Gesellschaft und Wirtschaft bereit sind, die digitale Zukunft aktiv zu gestalten. Sind wir nicht bereit, laufen wir Gefahr, als Gesellschaft "irgendwie gestaltet" zu werden – von Technologien und Entwicklungen, deren Auswirkungen wir in keiner Weise unter Kontrolle haben. 

Kümmert sich aktuell jemand in Parlamenten und Gremien ernsthaft um diese Fragen? Oder bleiben diese Themen so lange an die Zukunft delegiert, bis ebendiese Zukunft an die Türen der Gegenwart klopft und Fragen stellt, auf die keiner eine Antwort kennt? Höchste Zeit, auch in Parlamenten den zukunftsgerichteten Testbetrieb einzurichten, eher intellektuell und im Dialog, damit wir nicht bald schon mobil und autonom links und rechts überholt werden.