Kryptowährungen

Krypto-Franken für die Schweiz?

Bild: Schweizerische Nationalbank

So wie andere Staaten konkret über eine nationale Kryptowährung diskutieren, so kommt auch in der Schweiz der Krypto-Franken verstärkt ins Gespräch.

Denkt Estland über den Estcoin nach, ist die Nation in guter Gesellschaft mit weiteren Ländern wie Schweden, Russland, Grossbritannien und anderen, welche ebenfalls mit dem Gedanken an eine eigene Kryptowährung spielen.
Bei diesen Gedankenspielen geht's nicht um einen volatilen Bitcoin mit Länderflagge, vielmehr um eine stabile digitale Variante der bestehenden Fiat-Währung. Und die Schweiz?

Bundesrat Johann Schneider-Ammann zur Rolle der Schweiz

Die Rolle der Schweiz hat Johann Schneider-Amman als Zielvorstellung bereits mehrfach so formuliert:

Die Schweiz soll zur Krypto-Nation werden

Damit meint der Bundesrat noch nicht den Krypto-Franken, Schneider-Ammann ist jedoch unermüdlich unterwegs, um das Terrain für die Blockchain-Technologie und Kryptowährungen zusätzlich zu ebnen. Weil er der Ansicht ist, dass die Schweiz durch Innovationen gross geworden ist – und die Schweiz gehört bereits heute zu den führenden Nationen in den Technologien rund um Kryptowährungen und Blockchain. Ein Vorsprung, der nicht nur verteidigt, vielmehr weiter ausgebaut werden soll.

Marianne Wildi zum Krypto-Franken

Den Wegweiser klar auf den Krypto-Franken ausgerichtet hat Marianne Wildi, CEO der Lenzburger Hypothekarbank. Mit ihrem kürzlichen Interview in der Aargauer Zeitung hat sie den kryptografischen Stein zusätzlich ins Rollen gebracht. Sie beschreibt die bestechenden Vorzüge von Blockchain-Technologie und Smart Contracts im Allgemeinen, verweist auf ihre eigenen aktuellen Blockchain-Projekte und sagt, was noch fehlt:

Noch einfacher wäre der Prozess allerdings, wenn auch die Währung digital wäre, wenn wir einen Krypto-Franken hätten

Marianne Wildi nimmt Bedenken zum spekulativen und aktuell höchst volatilen Verhalten von Kryptowährungen den Wind aus den Segeln, indem sie die Nationalbank ins Spiel bringt und dabei klar und unmissverständlich ausführt:

Das wäre eine Währung wie Bitcoin, hinter der aber die Schweizerische Nationalbank stehen würde. Diese müsste den Krypto-Franken herausgeben – so wie heute Bargeld, aber eben rein elektronisch

Die Idee dabei: Der Krypto-Franken als digitale Variante des Schweizer Frankens mit genau demselben Wert, sichergestellt durch die Nationalbank. Die Vorteile liegen auf der Hand – Smart Contracts könnten komplett über die Blockchain abgewickelt werden, ohne bei der Zahlungsabwicklung den "Umweg" über Fiatgeld machen zu müssen.

Konkretisierung auf SRF "Rendez-vous"

Die Redaktion von SRF hat das Thema gestern im Info-Format "Rendez-vous" aufgenommen. Marianne Wildi erklärt im Interview ihre Sicht der Dinge und betont, dass die Stabilität des Krypto-Frankens im Zentrum stehen müsste:

Das wäre für mich die optimale Lösung: Die Krypto-Schweizer-Franken-Währung, die durch die Nationalbank gesteuert wird. Das traditionelle Vertrauen wäre damit gewährleistet, in Kombination mit dem Vertrauen, das man in die Technologie haben kann

Mit im Gespräch ist Digital- und Krypto-Finanz-Experte Daniel Diemers, Partner PwC Strategy& – seine Einschätzung zum Thema:

Der Vorschlag von Frau Wildi ist auf jeden Fall diskussionswürdig, wir brauchen jetzt eine breite Diskussion, bei der Politik und Wirtschaft mit am Tisch sitzen

Die "Rendez-vous"-Redaktion hat auch bei der Schweizerischen Nationabank nachgefragt, welche im Moment noch Zurückhaltung zeigt:

Die SNB hat keine Pläne für die Emission einer digitalen Währung und sieht aus heutiger Sicht keinen Bedarf für einen Krypto-Franken

Allerdings, schreibt die SNB, dass sie die rasante Entwicklung der technologischen Entwicklung in der Finanzindustrie eng verfolgen würde und auch in internationalen Arbeitsgruppen engagiert wäre, die sich FinTech und Kryptowährungen befassen würden.

USC: Banken haben ihren eigenen Krypto-Franken

Überlegungen zu einer Art Krypto-Franken haben Banken bereits vor längerer Zeit angestellt – in anderen Zusammenhängen, aber mit ähnlichen Intentionen: Transaktionen sollen von A bis Z und ohne Umwege über die Blockchain abgewickelt werden können. UBS hat, gemeinsam mit anderen Banken, bereits 2015 ein Projekt gestartet und eine Kryptowährung geschaffen, den USC (Utility Settlement Coin), um damit blockchainbasierte Wertpapier- und Devisen-Transaktionen zu beschleunigen und massiv Kosten zu sparen. Der Utility Settlement Coin (USC) ist kein Bitcoin, kein Ether – er ist eine Clearing-Währung der Banken und ist in USD, EUR, GBP, CHF oder anderen Währungen bei den jeweiligen Zentralbanken hinterlegt. Der USC dient als digitales Zahlungsmittel, um Wertpapier-Transaktionen innerhalb der Blockchain abzuwickeln. 

Die Diskussion um einen Krypto-Franken steht erst am Anfang und die Positionen von Exponenten, Insitutionen und Gruppierungen in der Schweiz sind noch nicht bezogen. Fakt ist, die Schweiz spielt eine Vorreiterrolle im Bereich von Kryptowährungen und Blockchain-Technologie. Ein guter Boden, um die Diskussion zu Machbarkeiten, Chancen oder Risiken einer nationalen Kryptowährung breit zu führen.