Kartenzahlungen

Karten: Die interessanten Fakten zur angehobenen Limite bei Kontaktlos-Zahlungen

Kontaktlose Kartenzahlung mit Terminal
Bild: shapecharge | Getty Images

Kontaktlose Kartenzahlungen sind im Aufwind und Limits werden heraufgesetzt – wie genau, wann genau, wo genau? Santosh Ritter weiss Bescheid und liefert die Details.

«Inga Kontanter» – was sich wie der interessante Name einer nordischen Rockband anhört, heisst auf Deutsch ganz einfach: «Kein Bargeld». Während man in Schweden schon seit langem an vielen Orten auch Kleinstbeträge nur noch bargeldlos bezahlen kann, stand hierzulande bis vor kurzem auf dem Verkaufstresen der örtlichen Bäckerei ein Schild mit der Aufschrift: «Kartenzahlungen erst ab 10 Franken». Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie steht nun an gleichem Ort und gleicher Stelle: «Der Gesundheit zuliebe akzeptieren wir keine Bargeldzahlungen». 

Gemeint ist, dass die Kundinnen und Kunden nun besser "kontaktlos" bezahlen sollen, beispielsweise mit einer Zahlkarte (Debit, Kredit oder Prepaid). Was sinnvoll klingt, hat jedoch einen kleinen, aber nicht unwesentlichen Haken. 

Zum einen gibt es in der Schweiz noch immer Zahlkarten ohne Kontaktlosfunktion und zum anderen liegt aktuell die Betragslimite für kontaktloses Zahlen ohne PIN-Eingabe am Zahlterminal bei 40 Franken. Gibt man in aller Regel bei der Bäckerei eher kleinere Beträge aus, stellt die 40-Franken-Limite beim Wocheneinkauf beim Detailhändler schon eher ein Problem dar. 

Abhilfe schaffen würde hier "Mobile Payment" – dabei erfolgt die Zahlungsabwicklung beispielsweise über ein Smartphone. Beim Zahlen mit Apple Pay, Samsung Pay oder Google Pay ist bis auf wenige Ausnahmen eine PIN-Eingabe nicht erforderlich. Dies bedeutet, dass Transaktionsbeträge bis zur entsprechenden Kartenlimite verarbeitet werden können, ohne dass man je die Tastatur eines Zahlterminals anfassen muss. 

Obwohl bei den meisten Banken mittlerweile der Wunsch nach diesen modernen Zahlmöglichkeiten und die Registrierungen rasch ansteigen, zücken noch immer zahlreiche Kundinnen und Kunden (unnötigerweise) die Brieftasche.   

Anhebung der Limite für kontaktloses Bezahlen ohne PIN-Eingabe in der Schweiz auf 80 Franken 

Visa, Mastercard, Postfinance und American Express haben am 8. April 2020 kommuniziert, dass in der Schweiz und Liechtenstein die Betragsgrenze für eine kontaktlose Kartenzahlung ohne PIN-Eingabe per Mitte April von 40 auf 80 Franken erhöht wird. 

Fälschlicherweise wurde in vielen Medien berichtet, dass die "Kontaktlos-Limite" angehoben wurde. Dieser Beitrag soll zeigen, wie eine Kontaktloszahlung grundsätzlich funktioniert und was es mit der Erhöhung der Limite tatsächlich auf sich hat. Im Folgenden wird der kontaktlose Zahlvorgang mit einer Zahlkarte beschrieben, bei welchem die Daten aus dem Chip gelesen und verarbeitet werden. Aus technischer Sicht wäre eine kontaktlose Zahlung mittels Magnetstreifen zwar möglich, ist aber in der Schweiz nicht so verbreitet. 

Wie funktioniert kontaktloses Zahlen überhaupt? 

Eine kontaktlose Zahlung erfolgt über den Nearfield-Communication-Funkstandard (NFC-Funkstandard) zur drahtlosen Datenübertragung, welcher auf der Technologie der Radio-Frequenz-Identifikation (RFID) beruht. Dazu wird die Zahlkarte an das Zahlterminal gehalten, um den Zahlvorgang zu initiieren. Dabei erzeugt das Terminal ein Magnetfeld, welches von der Antenne der Zahlkarte empfangen und in elektrische Energie umgewandelt wird, um so die Anwendungen und Funktionen der Chipkarte zu aktivieren.

Nun werden zwischen Zahlterminal und Chipkarte verschiedene Informationen ausgetauscht, welche für die kontaktlose Zahlungsabwicklung relevant sind. Bei einer Kontaktlostransaktion kann grundsätzlich zwischen Online- und Offline-Transaktionen sowie zwischen Transaktionen mit oder ohne Verifizierung des Karteninhabers unterschieden werden.

Online- vs. Offline-Transaktionen 

  • Online-Transaktionen liefern Chipdaten in Echtzeit vom Terminal über die Händlerbank an das sogenannte Autorisierungssystem des Zahlungsnetzwerkes (zum Beispiel Mastercard oder Visa). Dieses wiederum leitet die Autorisierungsanfrage an das kartenherausgebende Institut weiter. Dieses prüft nun, ob die Zahlungstransaktion abgewickelt werden kann (zum Beispiel, ob der Betrag die verfügbare Limite nicht übersteigt) und gibt die Antwort auf dem gleichen Weg (Zahlungsnetzwerk, Händlerbank, Terminal) zurück. Ob eine Verifizierung des Karteninhabers notwendig ist, wird dabei über den Parameter "Karteinhaber Verifikationsmethode (engl. Cardholder Verification Method, CVM)" gesteuert. Möglich Werte sind:

    - Keine Verifizierung des Karteninhabers notwendig
    - Unterschrift notwendig
    - Online-PIN erforderlich 
     
  • Die sogenannte "Offline-Limite" wird einerseits durch das kartenherausgebende Institut (Issuer) definiert und bei der Personalisierung der Karte in den Chip-Einstellungen hinterlegt. Die Händlerbank (Aquirer) ihrerseits hinterlegt die "Offline-Limite" auf dem Zahlterminal. Bei einem Zahlvorgang kommt jeweils die tiefere "Offline-Limite" zur Anwendung. Kontaktlose Offline-Transaktionen werden immer ohne Verifizierung des Karteninhabers durchgeführt. Unterstützt ein Terminal keine Online-PIN-Prüfung, muss eine kontaktbehaftete Transaktion durchgeführt werden, das heisst die Karte muss in das Terminal eingeführt und die PIN eingegeben werden. 

Ob eine Transaktion online oder offline prozessiert wird, hängt neben den Parametern auf dem Chip von folgenden Terminalparametern ab:

  • Contactless Transaction Limit (welche Kontaktlos-Limite ist auf dem Terminal hinterlegt?)  

    Erreicht der Transaktionsbetrag das Limit oder überschreitet es, kann keine Kontaktlos-Transaktion initiiert werden, die Transaktion muss kontaktbehaftet initiiert werden.
     
  • CVM Required Limit (ab welchem Betrag wird eine Karteninhaber-Verifikation verlangt?)  

    Erreicht der Transaktionsbetrag das Limit oder überschreitet es (ist aber nicht höher als Contactless Transaction Limit), fragt das Terminal eine Karteninhaber-Verifikation mittels Online-Anfrage an. Diese kann sowohl Online-PIN als auch Unterschrift sein.  
     
  • Offline Limit => Welche Offline-Limite ist auf dem Terminal hinterlegt? 

    Erreicht der Transaktionsbetrag das Limit oder überschreitet es, wird die Transaktion online prozessiert. 

    Liegt der Transaktionsbetrag unter der Contactless Floor Limite, wird die Transaktion offline prozessiert, sofern die CVM-Limite nicht überschritten wird.

Online, Offline und CVM Transaction Limiten-Hierachie

Quelle: EMV Contactless Specifications for Payment Systems, Kernel 1 Specification

Und was wird nun wirklich bis Mitte April angepasst?

Die Kontaktlos-Limite, oder ganz genau die Contactless Transaction Limit, welche definiert, wie hoch eine kontaktlose Transaktion generell sein darf, wird nicht angepasst. Beträge über 80 Franken können weiterhin kontaktlos bezahlt werden – dann jeweils einfach mit PIN-Eingabe, falls man eine Zahlkarte und nicht Mobile Payment nutzt. 

In der Schweiz und Liechtenstein sind jedoch die Händlerbanken (Acquirer) daran, auf sämtlichen Zahlterminals das CVM Required Limit von 40 auf 80 Franken anzuheben. Damit wird erreicht, dass kontaktlose Zahlungen beim Händler bis 80 Franken ohne PIN-Eingabe abgewickelt werden können. Die Anpassungen auf jedem einzelnen Terminal vorzunehmen, erfordert etwas Zeit, daher werden die Massnahmen per Mitte April im Gesamtmarkt wirksam. 

Die Sorgfaltspflichten bezüglich Aufbewahrung und Nutzung der Zahlkarten bleiben unverändert, für die Endkunden und Händler entstehen aus der Anpassung der Limite keine erhöhten Risiken.

Der Autor: Santosh Ritter

Santosh Ritter leitet als Mitglied der Direktion seit Juli 2016 das operative Risk Management des Kartengeschäftes der Aduno Gruppe. Zuvor war er seit 2012 innerhalb der Aduno Gruppe in verschiedenen Funktionen tätig. Unter anderem leitete er während vier Jahren das Operations Center des Acquiring- & Terminal-Geschäfts am Standort Tessin.

Vor seinem Eintritt in die Aduno Gruppe war er unter anderem als Consultant und Account Manager für die französische Altran Gruppe tätig und leitete ein Grossprojekt für den Europäischen Dachverband von forschenden Pharmaunternehmen (EFPIA) in Brüssel. 

Santosh hat an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) Betriebsökonomie studiert und sein Studium als Betriebsökonom FH abgeschlossen. Zudem hat er einen Masterlehrgang in Banking & Finance absolviert, ebenfalls an der HWZ, und hält den Titel Master of Advanced Studies ZFH in Banking & Finance.