Challenger-Banken

FinTech: Wo steht die Schweizer Digitalbank Yapeal heute?

Strasse mit Markierung 2019 und Richtung Zukunft
Bild: smshoot | Getty Images

Vieles ist gemacht, viel ist passiert und wichtige Weichenstellungen hat die Challenger-Bank aktuell in Arbeit – ein Update zum Stand der Dinge bei Yapeal.

Warum setzt Yapeal auf die Community? Aufgrund einer einfachen und auch nachvollziehbaren Überlegung: 

Die Kunden der Challenger-Bank sollen nicht "nur" Kunden sein, vielmehr aktive und involvierte Nutzer einer App, deren Weiterentwicklung sie ein Stück weit beeinflussen können. Zum Beispiel: Welche Features und Funktionen stehen in der Wunschliste der User ganz oben? Was in welcher Reihenfolge dazuentwickelt und aufgeschaltet wird, das bestimmt die Community mit.

Ein strapaziertes Schlagwort wird mit Inhalt gefüllt

Mit dieser Strategie wird das Schlagwort "Kundenzentriertheit" nicht nur intellektuell strapaziert und als Versprechen gerade noch in der Werbung eingesetzt, weil es sich gut liest – es wird vielmehr zur gelebten Haltung. Eine Haltung, die Kunden mit ins Boot nimmt und im besten Sinne zu Komplizen macht. Eine Strategie, die durch ihre Glaubwürdigkeit auf der einen Seite Kitt und Nähe schafft und auf der anderen Seite verhindern kann, dass am Markt und den aktuellen Befürfnissen vorbeientwickelt wird.

Der Unterschied zwischen freundlichem Interesse und wirklichem Kitt definiert auch die Qualität der Kundenbeziehung. Eine neu heruntergeladene App ist auf dem Smartphone des Users erstmal nur ein Icon. Bringt dieses Icon neuen Komfort und neue Funktionen, die der User wirklich wünscht und die auch nach seinen Bedürfnissen umgesetzt worden sind, wird sich das sehr positiv auswirken:

User werden zu involvierten Kunden. Entwickeln diese Kunden das Gefühl "Ich habe meine Bank in meinem Smartphone", dann bekommt der Begriff "Meine Bank" eine Dimension, die mit Marketing und Geld allein nicht zu erobern ist. Diese Dimension ist ein Gefühl, die Nähe des Kunden zu seiner Bank, und führt zu besagtem Kitt – der Stoff, aus dem langdauernde Beziehungen Kunde-Bank gebaut sind.

Das Crowdfunding für die Alpha-Gruppe

Alphas gehören zum besonders aktiven Teil der Yapeal Community. Teilnehmer der Alpha-Gruppe chatten in Foren untereinander, bringen ihre Wünsche ein und haben die Möglichkeit, die App vor allen anderen zu testen. Zur Alpha-Gruppe gehören heute weit über 1'000 Mitglieder.

Aufgrund der starken Nachfrage aus dieser Gruppe, sich an Yapeal beteiligen zu können, hat das Startup im Sommer 2019 ein erstes, nicht öffentliches Crowdfunding für die Alpha Community durchgeführt. Ein Crowdfunding, das nicht primär auf Kapitalbeschaffung zielt, dafür stehen institutionelle Investoren, es ist vielmehr eine Referenz an die Gruppe der Alpha-User. Die Teilnahmemöglichkeiten sind entsprechend ausgelegt worden: Tiefe Einstiegshürden mit geringem Kapitaleinsatz und Beteiligung an Yapeal als Aktionär mit Rechten.

Die Erwartungen an die Aktienzeichnungen sind um ein Vielfaches übertroffen worden, was als grosser Vertrauensbeweis der Community in Yapeal gewertet werden darf. Zudem ist es eine Bestätigung für die Strategie, von Anfang an auf die Community zu setzen und die künftigen Kunden und Anwender in sämtliche Phasen zu involvieren. Mit der Intention, dass alle Yapster ihre Rolle selbst definieren können und zwischen nutzen, mitreden und mitbesitzen wählen dürfen.

Seed-Finanzierung und ein Crowdfunding nach dem Start für die gesamte Community

Inzwischen läuft die Seed-B-Finanzierung mit institutionellen Investoren, um finanziell den Markteintritt nach Erteilung der FinTech-Lizenz sicherzustellen.

Die "grosse Community", über die Alphas hinaus, bleibt nicht ausgeschlossen. Yapeal denkt über ein zweites Crowdfunding nach dem Marktstart nach, das realisiert werden kann, sofern die neuen Yapster das wünschen. Bewusst nach dem Markteintritt und nach der Seed-B-Finanzierung, um das Risiko für Teilnehmer in engen Grenzen zu halten. Auch in dieser Runde mit attraktiven Konditionen, damit jede und jeder aus der Community mit geringem Einsatz Anteilseigner "seiner Bank" werden kann.

So wie das erste fokussiert auch dieses zweite Crowdfunding nicht in erster Linie auf neues Kapital, es geht vielmehr darum, die stark wachsende Community mit ins Boot zu holen. Mit der Überlegung und um das Thema "Kitt" nochmals zu bemühen: die Möglichkeit, mit geringem Einsatz Mitbesitzer seiner Bank zu werden, schafft eine ideelle Verbindung, welche dem gemeinsamen Boot zusätzliche Fahrt und Reichweite verleihen kann. Diesen Schwung können die Kapitäne und Navigatoren von Yapeal nutzen, um schneller zu wachsen.

Das bisher Erreichte und die nächsten Schritte

Das schnellste Onboarding der Schweiz haben wir bereits im Aprl 2019 getestet, das ist inzwischen zusätzlich optimiert worden.

Die App in der geplanten Startausführung ist live, die internen Yapster tätigen Zahlungen und stehen in der Phase der Optimierung der Systeme.

In nächsten Schritten werden in intensiven Testreihen App und Funktionen auf den Prüfstand gestellt. Aktuell testen die Gründer von Yapeal die App auf Herz und Nieren, im September 2019 werden die Ambassadoren dazugeschaltet, die Alpha-Gruppen dann in drei Wellen ab Oktober 2019. Wer in einer dieser Phasen als Alpha-Tester mitwirken möchte, ist von Yapeal weiterhin eingeladen, sich als Teilnehmer in der Gruppe Alpha Family & Friends anzumelden.

Der verbindliche Termin des Go Public wird von Yapeal eingeplant und kommuniziert, sobald die FinTech-Lizenz von der FINMA erteilt worden ist. 

Revolution mit Knall und Getöse oder Disruption auf Samtpfoten?

Die Digitalbank von Yapeal ist eines der Schweizer FinTech-Projekte, das wir seit der Konzeptphase und der ersten Codezeile begleiten und regelmässig über den Stand der Dinge berichten. Deshalb haben wir einen eher tiefen Einblick in Projekt, Macher, Hintergrund, Motive, Technologie, App und Funktionen. 

Die folgende Einschätzung spiegelt den Eindruck unserer Redaktion, den wir in den letzten Monaten nach zahlreichen Gesprächen mit verschiedenen Exponenten und vor allem beim Blick in die Werkstatt von Yapeal gewonnen haben. Dennoch eine Sicht von aussen, die sich nicht unbedingt mit dem Selbstbild der Yapeal-Macher decken muss.

Yapeal will nicht kommen um zu bleiben – das ist den Machern zu wenig. Bleiben ist die geringste oder schlimmstenfalls die unspürbare Form der ständigen Präsenz – Yapeal will mehr. Die Challenger-Bank will sich selbst, die Finanzbranche und vor allem die Konsumenten bewegen. Mit Unruhe, die sich nicht wie Disruption anfühlt, sondern sich vielmehr in Komfort, Leistung und neuen Features ausdrückt, welche das Verhalten breiter Bevölkerungsgruppen nach und nach verändern sollen.

Es geht also nicht um aggressive Disruption in angekündigter Form, mehr um organische Disruption, die sich verselbstständigt und Massen bewegt, weil das Produkt mit Leistung überzeugt. Über eine intelligente und flexible App, deren Angebot zum eigenen Lebensentwurf passt – zu einer persönlichen Lebenssituation, die sich heute so und morgen möglicherweise ganz anders präsentieren kann. Ein Bühnenwechsel, den das Produkt durch angepasste Leistungen mitmachen wird.

Verändern sich App und Banking organisch mit dem Kunden, im gleichen Takt mit seinen neuen Anforderungen und Wünschen, dann ist das keine Revolution. Es ist sehr viel mehr als das. Eine Revolution produziert einen Knall und hat eine beschränkte Lebensdauer. Eine Evolution in Gestalt eines dynamischen und flexiblen Finanz-Lebensbegleiters als App hat ein ganz anderes Potenzial, das sich laufend erneuert und vergrössert.

Kann die Kraft der Community markante Unterschiede schaffen?

Die Strategie von Yapeal, auf die Community zu setzen und diese Community in zentrale Prozesse zu involvieren, könnte sich als kluger Schachzug erweisen. Erste Kitt- und Bindungs-Erfolge zeichnen sich schon heute ab, lange vor dem Marktstart. Die Community wächst laufend und damit das Interesse an den Leistungen der neuen Bank. Ein Indikator dafür, dass Menschen und potenzielle Kunden mit dem strapazierten Marketingbegriff "Kundenzentriertheit" wenig anfangen können, mit dessen gelebter Umsetzung hingegen schon, wenn sie als ehrlich und glaubwürdig empfunden wird. Offensichtlich ist das der Fall.

Das allein sichert Yapeal noch keinen fulminanten Start. Möglicherweise aber einen sehr starken Boden, auf dem die App ausgerollt werden kann, um danach durch Netzwerk- und vor allem durch Weiterempfehlungs-Effekte kontinuierlich im Markt zu wachsen.

Eine starke Community entsteht nicht von heute auf morgen, sie muss aufgebaut, involviert und gepflegt werden. Das bedingt ein permanentes Dranbleiben und erfordert sehr viel Aufwand, um nicht zu sagen: Blut, Schweiss und Tränen. Eine Schiene, die Yapeal vom Start weg konsequent verfolgt hat, lange bevor ein zeigbares Produkt vorhanden war. Interessant bleibt zu sehen, ob und in welcher Stärke diese Community beim Start und beim Wachstum für Yapeal Unterschiede schaffen kann.