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Das FinTech Revolut überrascht mit hohem Wachstum, deshalb: eine starke Zahl und eine schräge Nummer

Mann überfordert am Laptop
Bild: Grinvalds | Getty Images

Schnell gewachsen ist die Smartphone-Bank Revolut immer schon, das Tempo nimmt jedoch zu. Und eine schlechte Nachricht gibt's auch.

Wie generiert ein FinTech Startup neue Kunden? Durch Leistung und mit Angeboten, die im Markt gut ankommen. Sind die bestehenden Kunden zufrieden und überzeugt vom Produkt, halten sie mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg und produzieren durch Empfehlungen in ihren Umfeldern und Netzwerken neue Kunden dazu.

Im Fall von Revolut klappt das sehr gut. Das FinTech überzeugt durch Leistungen, Funktionen und Features, die laufend erweitert werden. Mit ein Grund, weshalb die Smartphone-Bank ihre Marketingkosten extrem tief halten kann. Das führt zu starken Zahlen – eine schräge Nummer ist allerdings auch mit im Spiel.

Zuerst die starke Zahl

Im November 2017 hat Revolut eine hohe Hürde übersprungen: 1 Million Kunden, nur gerade zwei Jahre nach der Gründung des Startups. Mit 6 bis 8'000 neuen Kunden jeden Tag hat Revolut weiterhin kräftig zugelegt und das Tempo scheint aktuell noch zuzunehmen.

Im April 2018 waren 1,7 Millionen Kunden mit der Smartphone-Bank unterwegs, zwei Monate später bereits zwei Millionen und gestern hat Revolut die geknackte 3-Millionen-Hürde gemeldet.

Revolut Twitter-Bild
Quelle: Twitter

Und jetzt die schräge Nummer

Unsere Kollegen von Finews sind letzten Monat auf eine eher spezielle Geschichte aus dem spanischen Blätterwald gestossen. Das spanische Branchenportal Eldiario hat im Oktober 2018 eine gut recherchierte Story publiziert, wie Revolut in Spanien neue Mitarbeiter sucht und findet. Oder besser: welche Hürden Bewerber überspringen müssen, um Teil der Revolut-Crew werden zu dürfen.

Kurz gesagt, der erste Test besteht darin, dass Bewerberinnen und Bewerber erstmal 200 Neukunden bringen müssen, um überhaupt in die nächste Gesprächsrunde zu kommen. Wer die 200 in sieben Tagen schafft, ein Marketing-Kit gibt's dazu, hat Chancen. Wenn nicht, war die unbezahlte Arbeit eben für die Katz', kein Weg führt zu Revolut.

Auf Anfrage der Journalisten von Eldiario meinte Kommunikationschef Chad West von Revolut, dass eben "intelligente, kreative und hungrige Menschen gesucht werden, die keine Millionen fürs Marketing brauchen, Technologieunternehmen suchen die Klügsten und die Besten" und er begründete die Rekrutierungsmethode mit dem Argument:

Das ist der beste Weg, jeder kann reden und sagen, wie toll er ist, aber der Arbeitgeber muss wissen, ob er die Fähigkeiten tatsächlich hat 

Die ausführliche Version des Bewerbungsverfahrens in Spanien, mit Statements aller Beteiligten, kann im Detail auf Eldiario nachgelesen werden. 

Der Unterschied zwischen Test und Produktionskanal

Bei einem FinTech zu arbeiten, das Geschichte schreibt, ist attraktiv. Gerade für junge Menschen mit Biss und Enthusiasmus. Dass ein Startup die Klügsten und die Besten in seiner Crew haben will, steht ausser Frage, und diesen Besten soll man kräftig auf den Zahn fühlen. 

In Spanien sind Jobs begehrt. Das Land hat aktuell eine Arbeitslosenquote bei den Jugendlichen von mehr als 34 Prozent. Bewerben sich hunderte junger Menschen auf einen attraktiven Job, gerät das praktizierte Bewerbungsverfahren von Revolut in ein sehr schiefes Licht. Wer nur schon Chancen auf die zweite Bewerbungsrunde haben will, muss ohne Bezahlung und in eigener Initiative 200 neue Kunden ranklotzen. Wer das nicht schafft, fliegt aus dem Rennen, wer's packt, hat allerdings noch lange nicht gewonnen, nur eine Tür zur zweiten Runde geöffnet. Am Schluss ergattert ein Einziger oder eine Einzige den Job, die übrigen Neukunden-Produzenten sind frustriert und fühlen sich über den Tisch gezogen.

Da wird mit Begeisterung, Hoffnung und Einsatzfreude gespielt, Bewerbungsgespräche und Tests werden neu definiert und zu einem effizienten und sehr kostengünstigen Kundenproduktionskanal umgebogen. Da ist jetzt entschieden zu viel Marketingdenke drin. Das ist zu clever und ethisch grenzwertig. Und dieses Vorgehen ist absolut unwürdig für ein Startup mit dem Format von Revolut.