PSD2 als Chance begreifen

Bild: Wildpixel | Getty Images

Die neue Zahlungsdienste-Richtlinie rückt Kundenbedürfnisse in den Vordergrund – und öffnet damit neue Felder für Banken, Fintechs und für Kooperationen.

PSD2 (Payment Service Directive) ist aktuell breit im Gespräch. Die überarbeitete Richtlinie für Zahlungsdienste schafft neue Spielregeln im Zahlungsverkehr für alle Beteiligten. Die Öffnung des Zahlungsverkehrs für Drittanbieter (TPP) bringt tiefgreifende Neuerungen und schafft einen Rahmen, welche die Möglichkeiten für Banken, für Fintechs und für User erweitern und damit grundsätzlich verändern werden.

Was ist PSD2?

Die erweiterte Zahlungsdienste-Richtlinie verpflichtet Banken, Drittparteien (TPP) Zugang zu Konto- und Zahlungsdaten (Access to Account, XS2A) zu gewähren und ihnen die Möglichkeit zu geben, Zahlungen im Auftrag des Kunden auszuführen (vorliegende Zustimmung des Kunden vorausgesetzt).

Der Zugriff für Drittanbieter wird über APIs (Application Programming Interfaces) erfolgen, Schnittstellen zur Anwendungsprogrammierung, welche von Banken zur Verfügung gestellt werden.

Die Haltung der Banken

Nach einer aktuellen Studie von Strategy& stehen Banken im Moment PSD2 noch eher kritisch gegenüber.

  • 88 Prozent erwarten zunehmenden Wettbewerb von Drittanbietern
  • 68 Prozent befürchten den Verlust der Kundenschnittstelle
  • 68 Prozent gehen davon aus, dass PSD2 die Bankenposition (weiter) schwächen wird

Der vorherrschende Pessimismus ist auf den ersten Blick ist verständlich, weil PSD2 ganz klar einschneidende Veränderungen mit sich bringt. Auf den zweiten Blick: Die neue Ausgangslage schafft ein breites Feld für neue Angebote und Serviceleistungen, welche aktuelle und neue Bedürfnisse von Kunden perfekt erfüllen und sogar übertreffen können. PSD2 öffnet nicht einfach nur Tür und Tor für Drittanbieter, sondern schafft vor allem auch für Banken neue Spielräume, Möglichkeiten und damit Chancen, ihre Kunden mit neuen Leistungen zu begeistern und über innovative Services an sich zu binden.

Alles ganz neu, anders und disruptiv?

Neu und anders teilweise schon. Disruptiv jedoch nur für jene, die der möglichen Disruption keine eigenen Ideen entgegensetzen. Innovative Banken kultivieren eine gelenkte Disruption im eigenen Hause und bleiben damit Konkurrenten und auch Fintechs immer eine Nasenlänge voraus. Oder mit sinnvollen Kooperationen auf Augenhöhe. Im Kern werden die Möglichkeiten und Spielfelder im Zahlungsverkehr mit PSD2 flexibler, grösser, weiter und breiter. Mit Partnern, die man auswählen kann. Und, klar, auch mit Drittparteien, die man nicht auswählen, möglicherweise jedoch auf andere Weise mit ins Boot nehmen kann.

Zudem, und das ist wesentlich: Zahlreiche Banken bieten ihren Kunden schon länger die Anbindung von Software, Tools, Leistungen und Services, die von externen Partnern erbracht und über eine Schnittstelle ins E-Banking realisiert werden. PSD2 ist so verstanden schlicht eine Erweiterung der bisherigen Praxis. Der Sprung von der einfachen Schnittstelle zur API erweitert sicher die Zahl der möglichen Drittparteien, aber eben auch die eigenen Möglichkeiten und die Chance, seine Kunden zu überraschen und zu begeistern.

Neue Leistungen und Mehrwert für Kunden durch Kooperationen

Banken brauchen nicht den Startschuss von PSD2 abzuwarten und sind nicht dazu verdammt, ab 2018 anklopfenden Drittanbietern passiv den Zugriff zu Kunden und Konten zu gewähren. Innovative Banken agieren proaktiv, schnüren neue Servicepakete und schaffen starke Zusatzleistungen für ihre Kunden. Teilweise mit eigenen Ressourcen, oftmals in Kooperation mit smarten Produkten und Services von Fintechs und Startups. So gesehen nichts grundlegend Neues, erfolgreiche Banken agieren schon seit Jahren am Puls ihrer Märkte und Zielgruppen, indem sie auf eigene Labs und auch auf Kooperationen setzen.

Wie sind Bankkunden zu begeistern?

Wer über Kunden, Segmente und deren Wünsche und Bedürfnisse nachdenkt, findet sehr schnell Wege zu neuen Lösungen und Paketen, die Kunden überzeugen werden. Vom Kunden her gedacht und als Ideallösung wünschen sich User ein Frontend, das alle ihre digitalen Ansprüche vereint: E-Banking Hauptbank, weitere Bankverbindungen sowie zusätzliche Tools und Services von Drittanbietern, die sie nutzen möchten. Und das alles in einer Applikation, die Komfort und Übersicht bringt und deshalb Freude macht.

Die neue Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2 kommt von selbst und ist ab Januar 2018 wirksam. Darauf zu warten braucht allerdings niemand, die Wünsche von Bankkunden stehen heute und jetzt im Fokus. Und API-Banking bietet herausragende Möglichkeiten, Kunden davon zu überzeugen, bei der richtigen Bank zu sein.

Beispiel einer Kooperation: Deutsche Bank und Figo

Die Deutsche Bank aggregiert Daten...
Die Deutsche Bank denkt heute schon in PSD2-Dimensionen, kooperiert mit Fintechs und hat eine ganze Palette neuer Services in der Pipeline. Zum Start die "Multi-Bank-Aggregation", welche ab Herbst 2016 Bankkunden zur Verfügung steht. Damit verwalten Kunden ihr Gesamtvermögen, Liquidität, Umsätze und Kredite über das Online- und Mobile-Banking der Deutschen Bank, auch wenn die Konten bei anderen Banken liegen. Der Bankkunde bekommt, was ihm nützt: alles auf einen Blick und alle Konten in einer Banking-Plattform.

...in Kooperation mit dem Fintech Figo
Das deutsche Unternehmen hat ein Fintech-Ökosystem entwickelt, das die Anforderungen von PSD2 vorweg nimmt und erweitert. Die Banking API von Figo bietet eine XS2A-Plattform, welche Drittanbietern den Zugriff auf Konto- und Zahlungsdaten ermöglicht. Und Banken steuern über Zugriffsrechte, welche Drittanbieter in welchem Umfang Daten und Features nutzen können. Damit binden Drittanbieter ihre Anwendungen, Produkte und Services schnell und direkt im gewünschten Rahmen ans Banking von Finanzinstituten an.

Deutsche Bank: Die Fintech-Pläne der Deutschen Bank

Figo: Details zur Banking API und XS2A-Plattform

Stichworte zum Thema im Lexikon: PSD2 | XS2A | TPP | API | API Banking

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