Kommentar

Banks! It’s time to access the Future!

Banken und Ökosysteme
Bild: metamorworks | Getty Images

Gastautor Eric Salzmann denkt laut über Banken, Beratungsunternehmen, FinTechs und Ökosysteme nach – und ortet Defizite.

Was macht eine Bank, wenn sie selber nicht mehr vorwärts kommt? Wenn sie ansteht und intern keine Lösung mehr in Aussicht hat? Sie holt eine der Big Four. PWC, Deloitte, KPMG, EY und McKinsey gleich noch dazu. Zweifelsohne stehen diese Unternehmen mit grossen Erfahrungsschatz und Netzwerk für Kompetenz. Oft als DIE Experten und nicht selten auch als Heilsbringer angesehen. Dies mag durchaus für Herausforderungen im herkömmlichen, das heisst im "alten" Finanz-Ökosystem stimmen.  

Im Bereich der Digitalisierung stehen sie jedoch vor den gleichen Problemen wie die Banken. Hochqualifiziertes Personal in den Bereichen FinTech, RegTech, MarTech, x-Tech ist schwierig zu rekrutieren. Das Wissen in diesen Bereichen ist zeitlich sehr begrenzt, schnelllebig und spielt nicht zuletzt auch innerhalb von anderen kulturellen Umgebungen. Es gelten zum Teil andere Regeln als jene, nach denen traditionellen Beratungsunternehmen sich orientieren.  

Erneut ist mir ein Fall zu zugetragen worden, welcher sich vergleichbar schon etliche Male in anderen Konstellationen abgespielt hat. Ein mittleres Finanzinstitut hat eine der Big Four zum Thema Blockchain angefragt. Selbstverständlich hat sich das Beratungsinstitut als entsprechend professionell, erfahren und durch interne Zertifizierungen in diesem Themenbereich als bestens qualifiziert präsentiert. Niemals würde man zugeben, keine adäquate Expertise vorweisen zu können. 

Ergo wurde der Auftrag erteilt, sprich auch angenommen. Nach rund vier Monaten, etlichen Powerpoint-Präsentationen und saftigen Rechnungen hat man eingesehen, dass das eigene Know-how nicht ausreicht. Deshalb hat man ein Blockchain-FinTech unter Vertrag genommen. So konnte weitere vier Monate und mehrere zehntausend Franken später mit dem effektiven Vorhaben gestartet werden. Der Verdienst geht grösstenteils an das Beratungsinstitut, doch die nutzbaren Leistungen erbringt das FinTech.

Schade und teuer! Das muss nicht sein. Diesen Beratungsfirmen fehlt im digitalen Bereich das, was den Banken auch fehlt. Der Zugang zum neuen Ökosystem. FinTech, Startups, Talents, Network, Tech-Know-how, Zugang zur Generation X, Y und Z und vieles mehr. All das bleibt nicht per se verwehrt – die beschriebenen Skills, Talente, Know-how sind jedoch nicht in den alten, bekannten Netzwerken, Prozessen oder Partnerschaften vorhanden. 

Die Finanzinstitute haben meistens noch keinen Zugang zu diesem "neuen" Ökosystem gefunden. Die grossen Beratungsfirmen haben oft einseitige Interessen und prallen ab. 

Wollen sie denn nicht – oder wissen sie nicht wie? Aus eigener und persönlicher Erfahrung kann ich bestätigen, dass digitale Vorhaben im "alten" und trägen, jedoch lange Zeit sehr erfolgreichen Ökosystem der Finanzindustrie, ein x-Faches mehr an Zeit und Geld verschlingen. Zudem wird qualitativ das Resultat selten den Ansprüchen gerecht (bereits intern, vorwiegend aber extern).

Mit der Öffnung für das neue Ökosystem erschliessen sich für Banken auch finanzdigitales Wissen, Netzwerk, verschiedene agile Projekt-Setups sowie Kultur und Nähe zu den digitalen Generationen. Zudem liegen die Kosten deutlich tiefer – nicht zuletzt deshalb, weil es keinen Management-Layer zu bewirtschaften gilt.  

Es ist an der Zeit, dass sich die Finanzinstitute diesem Ökosystem öffnen. Fintechs und Startups empfangen Finanzinstitute mit offenen Armen. Sie sind auf Partnerschaften und Kooperationen angewiesen. Die Angst, dass bestimmte Dienstleistungen von Banken wegbrechen könnten, ist eher unbegründet, wenn man als Teil dieses Ökosystems operiert. Das Risiko ist deutlich grösser, wenn man aussen vor agiert.

Was jetzt noch bleibt? Das Management zu überzeugen, dass digitale Lösungen zu einem günstigeren Preis und mit geringerer Entwicklungszeit höher bewertet werden, als mit renommierten grossen Beratungsinstituten und dem Top Management einen Powerpoint-Marathon nach dem anderen absolvieren zu müssen.

Der Autor: Eric Salzmann

Eric Salzmann hat im Finanztechnologie-Bereich so ziemlich alle Rollen erleben dürfen: Entwickler, Projektleiter, Berater, Business-Analyst, Applikationsmanager.

Als Entrepreneur, Mitarbeiter und Mitgründer des Think Tanks Fintechrockers hat er es sich zudem zur Aufgabe gemacht, das Thema FinTech zu vertreten und bestmöglich zu fördern – zum Nutzen von allen Beteiligten.

"Anyone can benefit from FinTech. It doesn’t need any losers"

Eric Salzmann auf Linkedin und auf Twitter.

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