Vorsorge Säule 3a

ZKB lanciert Frankly, greift mit tiefen Preisen an und will herzhaft in den 3. Säule-Kuchen für Junge beissen

Frankly-Website
Frankly will auch bei den Gebühren punkten (Bild: ZKB)

Die Zürcher Kantonalbank setzt sich auf die Fährte von FinTechs wie Viac und will junge Leute zu Aktiensparern machen.

Erstaunlich, dass traditionelle Banken das Feld der Säule 3a-Produkte und des Vorsorge-Sparens bisher weitgehend FinTechs wie Viac und einer kleinen Handvoll anderen Anbietern überlassen haben. Nicht generell, jede Bank bietet Vorsorge-Produkte, spezifische und angepasste digitale Angebote für junge Zielgruppen jedoch eher nicht.

Über die Pläne der Zürcher Kantonalbank mit der 3a-App Frankly haben wir bereits Anfang Februar ausführlich berichtet. Offen war zu diesem Zeitpunkt das konkrete Angebot an Anlage-Produkten und vor allem das Pricing. In der Ankündigung hatte die ZKB "ein radikal neues Preismodell" versprochen.

Martin Scholl, CEO Zürcher Kantonalbank

Wir setzten damals ein Neugier-Fragezeichen zu diesem Punkt und schrieben in unserem Artikel: 

"Neu heisst nur anders, radikal hingegen klingt interessant"

ZKB-CEO Martin Scholl mochte keine Zweifel gelten lassen und reagierte mit der Bemerkung:

Wir sagen radikal und
meinen es auch so!

Gestern ist die Frankly App der Zürcher Kantonalbank offiziell lanciert worden – und mit der Lancierung auch das Pricing.

Und: Radikales Preismodell oder nicht?

Die gewählte Form des Preismodells ist clever. Sie fokussiert auf junge Zielgruppen, die in Zeiten erhöhter Gebührensensibilität keine Lust auf komplexe Kostenstrukturen haben, die erst nach mehrfachem Studium verstanden werden. Deshalb bietet die ZKB "einen einzigen Preis für alles", ohne Zuschläge und ohne Zusatzkosten aus anderen Richtung: All-in-Fee von 0,48 Prozent.

Mit der All-in-Fee sind sämtliche Kosten für die Anlageprodukte wie auch für das Konto abgedeckt. Sie gilt für alle wählbaren Anlageprodukte, unabhängig, ob sie aktiv oder indexiert verwaltet werden. Die Änderung der Anlagestrategie, Investitionen oder Verkäufe generieren keine zusätzlichen Kosten. 

Ja, das All-in-Fee-Preismodell geht als radikal durch, zumal eine traditionelle Bank im Hintergrund steht, die jedoch spürbar und sichtbar über junge Menschen, digitale Apps und atttraktives Pricing nachgedacht hat. Mit einer Fee von 0,48 Prozent, die ohne Wenn und Aber und Ausnahmen sämtliche Kosten einschliesst, ist das Frankly-Angebot transparent, klar, einfach und preislich sehr attraktiv. Was bei Jungsparern gut ankommen wird, kann dem einen und anderen Konkurrenten möglicherweise etwas Bauchgrimmen verschaffen.

Nutzer der digitalen App investieren zum Start in vier aktive und in vier indexierte Swisscanto-Produkte. Wird eines Tages der Rahmen der wählbaren Produkte erweitert, dürfte das nicht schaden.

Frankly lockt zusätzlich mit einem Community-Rabatt

Der Community-Rabatt reduziert die All-in-Fee für alle Nutzer mit steigenden verwalteten Vermögen. Das heisst konkret, je mehr Vermögen in der App verwaltet werden, desto günstiger wird die All-in-Fee. Die gesamten verwalteten Vermögen werden transparent ausgewiesen, verspricht die ZKB, und die Nutzer können die Differenz zur nächsten Rabattstufe in der App einsehen.

Zum Start stellt die ZKB allen Nutzern in Aussicht, bei Erreichen der ersten 100 Millionen Franken Anlagevermögen, zusätzliche 2 Prozent Rabatt auf die All-in-Fee zu gewähren.

Welches Stück vom Kuchen peilt die ZKB an?

Konkrete Zahlen und Ziele nennt die Bank nicht, sie rechnet jedoch Potenziale vor und die bieten für Frankly und auch für seine Konkurrenten sehr viel Luft nach oben:

Der Vorsorgemarkt der Schweiz umfasst insgesamt 120 Mia. CHF und wächst jährlich um rund vier Milliarden Franken. Bisher nutzen die Erwerbstätigen – insbesondere Teilzeitmitarbeitende – die Möglichkeiten von Wertschriftenlösungen in der dritten Säule zu wenig, sagt die ZKB. Denn, argumentiert die Bank weiter, das Wertschriftensparen bietet langfristig die Chance, höhere Renditen zu erzielen als mit dem Vorzugszins des Sparen-3-Kontos.

Die Zürcher Kantonalbank beziffert auch gleich die besagte Luft nach oben: Zwar besitzen etwa 60 Prozent der Schweizer eine Vorsorgelösung, aber nur rund ein Viertel sind in eine Wertschriftenlösung investiert.

Guter oder schlechter Zeitpunkt für die Lancierung?

Entgegen rundum gehörter Unkenrufe sind wir der Meinung, der mögliche Erfolg der Produkt-Lancierung wird durch die aktuellen, nicht vorhersehbaren Ereignisse, eher begünstigt. Die noch nicht absehbaren Folgen der Corona-Krise schaffen wohl Unsicherheit, jedoch auch die Gewissheit, dass die Ära der sinkenden Zinsen oder besser, der Negativ-Zinsen, noch längere Zeit nicht vorüber sein wird.

Die aktuell zu beobachtende Flucht in Cash, welche Aktienmärkte und Börsen zum Crashen bringt, wird ebenfalls nicht von Dauer sein. Beide Effekte zusammengenommen, machen (unter anderem) Aktien und Fonds auf preislich interessantem Niveau zu einer attraktiven Form des Sparens. Wenn nicht heute, dann eben ab morgen, wenn sich der Pulverdampf der Ereignisse etwas verzogen und neuer Klarheit Platz gemacht hat.

Fazit

Mit einer aufgeräumten App, attraktivem Pricing und dem umgesetzten Beweis, die Begriffe "digital, transparent, einfach, komfortabel" verstanden zu haben, schlägt die Zürcher Kantonalbank einen sichtbaren Pflock in der Landschaft des 3a-Wertschriftensparens ein.

Die ZKB und die bisher schon erfolgreich operierenden FinTechs werden aller Voraussicht nach nicht unter sich bleiben, da geht noch mehr. Und alles, was noch mehr geht, wird Aktiensparen für jüngere und auch für weniger junge Zielgruppen verständlicher, zugänglicher, fairer und damit interessanter machen.