Neo-Banken

Challenger-Banken werden erwachsen – und bezahlen Bussen

Ein Bussgeldbescheid unter dem Scheibenwischer eines Autos.
Bild: hutchyb | Getty Images

Die von der BaFin ausgesprochene Millionenstrafe gegen N26 stellt der Neo-Bank in Sachen Offenheit und Transparenz kein gutes Zeugnis aus.

Dass Exponenten aus dem Kreis der klassischen Banken immer wieder mal Rückstellungen für Bussen einplanen oder Abbitte in Form von Vergleichen leisten, ist nicht (mehr) ungewöhnlich. Die Höhe der zurückgestellten oder budgetierten Summen bleibt allerdings bemerkenswert, immerhin geht's oftmals und wiederholt um mehrstellige Millionenbeträge, in Extremfällen sind Milliarden im Spiel.

Ist eine Neo-Bank erwachsen geworden, wenn sie zu Bussen verdonnert wird?

Die Frage hinkt etwas, der unterstellte Vergleich ebenfalls. Erlaubt bleibt das Hinken trotzdem, immerhin treten Challenger-Bank fast durchwegs im Gewand von Robin Hood auf – zumindest mit der Absicht und der kommunizierten Kampfansage, in jeder Beziehung die besseren Banken sein zu wollen. 

Zum Teil gelingt ihnen das auch. Aus aktuellen Anlass stellt sich dennoch die Frage, wann Neo-Banken der Adoleszenz entwachsen sind und ob sie im bussenfähigen Erwachsenenalter in dieselben Fehlerfallen tappen dürfen, in die sie in der Vergangenheit nicht ohne Häme ihre traditionellen Schwestern haben fallen sehen.

Millionenstrafe für N26 

Die Neo-Bank N26 ist bereits mehrmals von der Finanzaufsicht BaFin kritisiert, gerügt oder unter Beobachtung gestellt worden. Im Mai 2021 ist die Neo-Bank von der BaFin angewiesen worden, Massnahmen und Sicherheitsvorkehrungen zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu ergreifen. Gleichzeitig wurde "zur Überwachung der Abarbeitung der Anordnung sowie des Standes der Behebung weiterer festgestellter Mängel ein Sonderbeauftragter bestellt".

Was Reuters am 28. September verbreitet hat, war dennoch eine Überraschung. Bereits im Juni 2021 hatte die BaFin N26 zu einem Bussgeld in Höhe von 4'25 Millionen Euro verdonnert – wegen Lücken und Mängel in der Geldwäsche-Bekämpfung. Konkret wirft die Finanzaufsicht der Neo-Bank vor, Verdachtsfälle im Zusammenhang mit Geldwäscherei nicht konsequent genug untersucht und verfolgt zu haben. Ergo hätte N26 gegen das "Gesetz über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten" verstossen. 

Einen Tag nach dem Reuters-Bericht hat die BaFin reagiert, die Finanzaufsicht hat die im Juni ausgesprochene Busse in einem kurzen Statement bestätigt. Dieses Statement ist der Neo-Bank offenbar vor der Publikation angekündigt worden, was die Verantwortlichen von N26 ganz offensichtlich aufgescheucht hat. Die Medienmitteilung der Neo-Bank, verschickt drei Monate nach der Bussgeld-Geschichte und erst als Reaktion auf das BaFin-Statement, liest sich im Einstieg entsprechend defensiv:

"Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) plant einen Bussgeldbescheid für die N26 Bank GmbH zu veröffentlichen, der sich auf Sachverhalte aus den Jahren 2019 und 2020 bezieht."

In ihrer Mitteilung nimmt N26 dem Druck der Ereignisse folgend Stellung und erklärt, dass das Bussgeld wegen verspäteter Geldwäscheverdachtsmeldungen erhoben worden wäre. Es würde sich dabei in der Summe um weniger als 50 verspätet eingereichte Meldungen aus den Jahren 2019 und 2020 handeln. Im Weiteren wären alle von der BaFin geforderten Massnahmen zur Verbesserung von rechtzeitigen Meldungen verdächtiger Aktivitäten von N26 bereits vollumfänglich umgesetzt worden.

Zudem, so die Neo-Bank, wären in den vergangenen Monaten zahlreiche weitreichende Massnahmen ergriffen sowie Strukturen und Prozesse etabliert worden, die den höchsten Standards entsprechen würden. N26 nimmt dabei für sich in Anspruch "gleichzeitig neue Standards in der Branche zu setzen".

Wo liegt denn nun die bereits angeführte Fehlerfalle, in die N26 getappt ist?

Die liegt nicht unbedingt im abgehandelten Bussgeldverfahren und seinen Hintergründen. Ob die Neo-Bank naiv, unsorgfältig, schluddrig oder fahrlässig gehandelt hat im Zusammenhang mit Konten und Geldwäscheverdachtsmomenten kann aus Distanz ohnehin nicht beurteilt werden. Muss auch nicht, dafür gibt's die BaFin. 

Die voll getroffene Fehlerfalle liegt in in der fehlenden Transparenz und Offenheit. Ein Vorwurf, der oftmals an die Adresse von klassischen Banken geht, gerne geäussert auch von Neo-Banken. Verbunden mit der Feststellung, dass Banken in Krisensituationen dazu neigen würden, nur gerade das zuzugeben, was sich nicht mehr vermeiden lässt. 

Der Fehler liegt weniger im Fall selbst, mehr in der Kommunikation. N26 kommuniziert erst dann, wenn Reuters ein offenbar gehütetes Geheimnis ausplaudert und die BaFin daraufhin aktiv wird und plant, den Bussgeldbescheid vom Juni 2021 öffentlich zu machen. Damit trifft der Vorwurf, Unangenehmes unter dem Deckel halten zu wollen, neu auch die Robin Hoods unter den Banken, die Neo-Banken. Zumindest eine aus Berlin, die nun offenbar auch in dieser Beziehung erwachsen geworden ist.

Schade, eine Verlängerung der Adoleszenz auf unbestimmte Zeit, verbunden mit der Bereitschaft eines Challengers, vorbehaltlos und offen zu kommunizieren, Gutes und eben auch weniger Erfreuliches, wäre gut angekommen. Zumal erfahrungsgemäss Fehler deutlich schneller verziehen und vergessen werden, wenn nicht versucht wird, unangenehme Wahrheiten unter Verschluss zu halten.

Und eine ironische Wende dazu

Im Rummel und Umfeld der aktuellen Ereignisse kommt die Meldung, dass N26 ihren umtriebigen DACH-Chef verliert. Dass Georg Hauer von einem der grossen FinTechs zu einem vergleichsweise kleinen Startup wechselt, mag verschiedene und auch persönliche Gründe haben. 

Die Ironie? Hauer steigt beim AML-FinTech Hawk AI ein, das sich dem Thema Anti Money Laundering verschrieben hat. Das FinTech verspricht, mit seiner Software Geldwäsche besser erkennen und deutlich effizienter und kostengünstiger bekämpfen zu können, als dies mit herkömmlichen Lösungen möglich wäre. 

Ob die Neo-Bank N26 sich bereits auf der Kundenliste von Hawk AI eingeschrieben hat, ist nicht bekannt.